Der Schand-Elfmeter von Leipzig

 

Im Zeitalter der „Fake News“ kommt es immer häufiger vor, daß historische Ereignisse förmlich herbeigeschrieben werden. So hielt sich seit Jahrzehnten bis zum vergangenen Samstag hartnäckig das Gerücht, es hätte im Leipziger Bruno-Plache-Stadion bei der Begegnung zwischen Lok Leipzig und dem BFC Dynamo einen unberechtigten Elfmeter gegeben. Unabhängige Historiker und seriöse Sportjournalisten konnten das natürlich nie bestätigen aber der Reihe nach.

In der Partie des 23. Spieltages der Regionalliga Nordost setzte Trainer Matthias Mauksch folgende Spieler ein: Hendl im Tor, Grundmann, Reher, Brendel und Cepni in der Abwehr, Lambach (71. Malembana), Brandt,  Rausch und Özkan (82. Brumme) im Mittelfeld sowie Schulz und Brasnic (61. Atici) im Sturm.

Von Beginn an erlebten die fast 4000 Zuschauer eine rasante Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Der DDR-Rekordmeister zeigte den Gastgebern deutlich, daß er nicht ohne Punkte nach Hause fahren wollte und ging auch verdient mit 1:0 (Özkan 16. Minute) in die Halbzeitpause.

Die Messestadt Leipzig ließ mal wieder ihre viel gepriesene Gastfreundschaft vermissen. Schon auf der Anfahrt lösten sich einige Fanträume auf ein schönes Fußballerlebnis in Rauch auf. Nach dem über 30 Minuten dauernden Fußmarsch durch die von berittenen Pferden bewohnte Parkanlage gab es im Gästebereich nicht mal die gleichen Getränke, wie auf der gut gefüllten Haupttribüne. Die Sanitäranlagen (sogar unter BAK-Niveau) sprachen ebenfalls für sich. Nur der Ergebnisstand stimmte und ließ das erbärmliche Catering ertragen.

Mit Beginn der 2. Halbzeit erhöhte sich der Druck auf das Tor der Hauptstädter. In der 48. Minute nutzte der Leipziger Ryan Patrik Malone eine Unaufmerksamkeit zum Ausgleich. Jetzt schlug die Stunde des „Unparteiischen Bonner Ultras“. Freudig pfiff er ein vermeintlich absichtliches Handspiel im BFC-Strafraum, welches nicht mal in der Zeitlupe des MDR-Fernsehens erkennbar war. Malone traf zur 2:1-Führung und Schiedsrichter Oliver Lossius begann fröhlich, alle weiteren Zweikämpfe und Ausgleichsbemühungen durch unnütze Unterbrechungen und Gelbe Karten zu unterbinden. 

Am Ende stand es 3:1 und Matthias Mauksch war sichtlich angefressen. Nie hätte er gedacht, bei dem berühmten Schand-Elfmeter von Leipzig amtierender Trainer des BFC Dynamo zu sein. Es brauchte über 30 Jahre, um die „Fake News“ aus dem Bruno-Plache-Stadion wahr werden zu lassen. Danke dem NOFV und seinem guten Händchen für historische Ereignisse.

Weiter geht es am kommenden Samstag gegen Optik Rathenow. Der DDR-Rekordmeister hat 3 Punkte fest eingeplant und auf der Haupttribüne werden die BFC-Fans geschlossen und lautstark dem NOFV zeigen, daß es auch ohne Einschränkungen, Verbote und Schikanen schöne Fußballspiele geben kann. 

Wir sehen uns!